"Herr" und Hund

In diesem Fall sollte es besser „Frau“ und Hund heißen, Erziehung, Spaziergänge und sonstige Versorgung sind im Wesentlichen mein Part, und das genieße ich auch jeden Tag.

 

5 Jahre ist unser kleiner Katalane nun schon bei uns, ein sehr geliebtes Familienmitglied.

 

Fast hätte ich „geliebter Mittelpunkt“ der Familie geschrieben, aber wir wissen natürlich auch, dass wir alle in der Familie eine höhere Rangposition behalten müssen. Diese Spielregeln kennt er – sie mit Konsequenz gegen seinen Hammercharme einzuhalten ist allerdings oft sehr schwer.

Viel schlimmer, es schmerzt natürlich, wenn Besucher kommen, die sich immer über die Empfehlung hinweggesetzt haben, ihn erst mal zu ignorieren.

 

Sie werden mit Gejaule und Gerenne begrüßt, bei mir dagegen wartet er diszipliniert – allerdings schwanzwedelnd – bis ich ihn „abliebel“. Ich würde manchmal auch gerne hören, wie sehr er mich liebt.Die Spielregel beim Füttern, erst wir Alphatiere, dann kommt Oles Futter, war für ihn nie ein Problem. Schon aus seiner spanischen Zuchtstätte kam er gut sozialisiert zu uns.

 

Er war wohl auch dort nicht derjenige, der zuerst an den Napf durfte. Ihm ist auch eine natürliche Vorsicht angeboren, kein Futter von Fremden zu nehmen. Erst wenn ich es in die Hand nehme, vielleicht sogar zum Mund führe, nimmt er das Gebotene an. Beim Tierarzt sich damit vielleicht Bestechen zu lassen, kommt schon gar nicht in Frage. Es war eigentlich ein Kinderspiel, ihm die grundlegenden Kommandos beizubringen.

Die Gossis lernen gerne und wollen ihrem Besitzer alles Recht machen. Aber man muss auch akzeptieren, dass er in manchen Situationen selbständig entscheiden möchte.

 

Bringt er sich dadurch nicht in Gefahr, haben wir an dieser Eigen-entscheidung auch ganz viel Freude.  Sicherheitstraining im Verkehr – eine sehr wichtige Maßnahme zum allseitigen  Schutz wie ich finde. Radfahrer, Jogger und Autos lassen wir immer sitzend auf den Feldwegen passieren. Sehr bemerkenswert ist es, wenn Ole sich schon fragend nach uns umsieht, wenn er oben genannte selbst erblickt.

 

Wann kommt nun Dein Kommando? Oder es kommt immer häufiger vor, dass er schon gleich zurück an meine Seite kommt und sich dann selbständig hinsetzt.

 

Allerdings möchte er dann auch selbst entscheiden, dass er wieder loslaufen kann, was natürlich nicht gut wäre, denn Radfahrer zählen kann er noch nicht. Also wird er nur auf das Kommando „Lauf“ aus der Sicherheitsposition entlassen.

Der Gos d’Atura, ein Hütehund, wachsam, die „Herde“ beieinander haltend, verfügt aber auch über eine gute Nase, die ihn natürlich auch auf die ein oder andere Wildfährte stoßen lässt. So musste er eines Tages in einem unbeobachteten Moment das strikte Jagdverbot ignorieren.

Im Garten unseres Ferien-domizils gibt es Stinktiere, sehr possierliche, gutmütige und auch nützliche Tiere, weil sie viel Ungeziefer vernichten. Aber wehe ein „Skunk“ wie er dort heißt, fühlt sich bedroht…. Der Duft ist penetrant und in einem großen Radius zu riechen. Schon aus Selbstschutz sollte Ole also keinen Skunk stellen.

 

Aber je eindringlicher wir ihm den Kontakt verboten, umso interessanter wurden die kleinen Wesen für ihn. Es kam wie es kommen musste. Er trieb unseren kleinen Gartenbewohner auf und wohl dank Oles Wendigkeit traf ihn die Duftnote nicht voll. Es reichte trotzdem! Beschämt und verwirrt kam er angerannt, fühlte sich sichtbar unwohl. Der Duft zog von draußen durch die offenen Fenster an diesem heißen Sommertag.

 

Ole hat daraus gelernt. Ein Sicherheitsabstand ist nun Ehrensache. Wir brauchen ihn nicht mehr zurück-zuhalten. „Wer nicht hören will muss fühlen“. Kommen die kleinen Kerle aber des Nachts an die Terrassen-türen, flippt er total über so eine Dreistigkeit aus. Die Skunks wären sich dann in Sicherheit und drehen demonstrativ langsam bei, um höchst arrogant in aller Ruhe ihr eigentliches Ziel der Futtersuche zu verfolgen, ohne auch nur wertvolle Sprays zu vergeuden.

Was will ich sagen mit den kleinen Begebenheiten, die sicher jeder in ähnlicher Form von seinem Zusammenleben mit einem Hund erzählen kann?

„Herr und Hund“ sollen sich nach einer Weile ähnlich sehen? Naja, da trennt uns schon die Haarpracht. Aber ganz sicher ist die Sensibilität, das gegenseitige Verstehen viel intensiver geworden. Unsere und seine Ausdrucksmöglichkeiten nähern sich an, je länger der Hund bei uns ist. Wenn Ähnlichkeit besteht, dann schon in der Auswahl der besonderen Eigenarten und Fähigkeiten, die Hunderassen mit sich bringen. Eine eher ruhig veranlagte Rasse wird nichts für einen sehr aktiven Menschen sein, der den Hund zu Sport und Spiel mitnehmen möchte. Jeder angehende Hundebesitzer sollte sich gut informieren, welche rassespezifischen Eigenschaften für ihn passen würden. Ein Hütehund ist kein Jagdhund, selbst wenn er auch mal gerne einem Häschen hinterherläuft.                                                        

 

Ole apportiert z.B. auch begeistert. Aber man muss es einfach mögen, dass er ständig seine „Herde“ zusammenhalten will und dabei auch gut beschützt. Als Arbeitshund ist er ruhig im Haus; aber er braucht viel Auslauf, interessante Spaziergänge möglichst mit viel Abwechslung. Er zeigt sich immer bereit für Unternehmungen und Aktivitäten. So werde ich wohl meinem Hund in der Hinsicht ähnlich sein, dass ich selbst auch Freude an Bewegung, an der Natur und einer gewissen Entscheidungsfreiheit habe. Deshalb haben wir uns gesucht und gefunden.

 

 Ute Kürschner mit Ole